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Alpencross Zugspitze - Vinschgau
Bei diesem Alpencross kommt Stimmung auf. Eine gute Mischung aus Urlaub, körperlicher Leistung und Naturerlebnis. Eine traumhaft schöne Route liegt vor uns: Durch das verträumte Lechtal, über den bekannten Arlberg, durch St. Anton, Galtür und Ischgl hinein ins Fimbatal und über den gleichnamigen Pass ins farbenfrohe Engadin. Alles dabei, was zu einem hochkarätigen Alpencross gehört. Und als Finale Grande, die berühmte Uina-Schlucht, ein Spektakel, das sich kein Mountainbiker entgehen lassen darf.
Start in Garmisch-Partenkirchen Wir treffen uns am Vorabend bei Pizza und Rotwein. Der Tourguide stimmt auf die kommenden fünf Tage ein. Welche Route wird gefahren, welche Besonderheiten liegen auf dem Weg, Organisation, Regeln und Tipps. Ein bisschen nervös sind alle, aber in der gemütlichen Runde bietet sich eine gute Gelegenheit, die anderen Gruppenmitglieder erst einmal kennen zu lernen.
Am Montag Morgen starten wir nach einem ausgiebigenen Frühstück ins Abenteuer. Die ersten Kilometer sind ideal zum Einrollen, die Route verläuft entlang der Loisach. Zu unserer Linken begleiten uns Alpspitze und Zugspitze. Über Ehrwald und Berwang erreichen wir das Rotlechtal. Dieses einsam gelegene Seitental mit seinem kleinen Stausee ist eine ideale Verbindung ins Lechtal. Den Lech fahren wir nun hinauf. Langsam ansteigend nähern wir uns den Hochalpen und unserem Etappenziel Elbigenalp. Dort steht unser erstes Quartier, sehr komfortables Hotel. Der Wirt begrüsst uns mit einem frisch gezapften Willkommens-Bier. In angenehmer Runde lassen wir schon mal die ersten Tagesereignisse Revue passieren. Aus den einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist eine Gruppe entstanden. Wir lernen uns schon besser kennen.
Am zweiten Tag geht es den Lech hinauf bis nach Steeg. Ab hier wird die Strasse steiler, aber immer noch gut fahrbar. Spätestens hier ist allen klar, dass wir uns in den Bergen befinden, Alpen soweit das Auge reicht. In diesen Höhen sollen alle ihr eigenes Tempo fahren. Einen kleinen Gang einlegen und langsam aber stetig nach oben kurbeln. Und damit kein Stress aufkommen kann, fährt der Tour-Guide ganz hinten.
Die Geisterstadt am Flexenpass In Warth trifft sich die Gruppe wieder. Wir parken unsere Mountainbikes fürs Mittagessen. Spaghetti oder Kuchen, Apfelstrudel mit Vanilleeis oder nur eine Cola - jede und jeder nach seinem Geschmack. Wieder auf dem Sattel erreichen wir bald schon Lech, ein Skiort, der auch bei der Englischen Königsfamilie sehr beliebt ist. Wir tanken am Dorf-Brunnen unsere Trinkflaschen auf und beobachten das mondäne Treiben.
Wir fahren durch Zürs. Im Winter ebenfalls ein beliebter Skiort, im Sommer eine Geisterstadt. Keines der über 50 Hotels hat zu dieser Jahreszeit geöffnet. Eine irgendwie unwirkliche Atmosphäre. Wir kurbeln hoch zum Flexenpass, erleben eine kurze Abfahrt durch Galerien und nehmen den Arlberg in Angriff. In 2005 wurde dieser Pass bei der Tour de Suisse gefahren. Der Tourguide kennt eine spannende Variante, so dass nur die letzten 80 Höhenmeter auf der eigentlichen Passstrasse gefahren werden.
Tempo ist angesagt. Die schnellste Abfahrt der Alpen liegt vor uns. Mit Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h. Natürlich darf auch langsamer gefahren werden. Das Ankommen zählt - bei einem Alpencross noch mehr als sonst.
In St. Anton übernachten wir in einem 4-Sterne-Hotel. Mit einer hauseigenen Pizzeria. Pizza, Pasta und Weizen vom Feinsten. Satt, ermattet und zufrieden von den vielen Erlebnissen des Tages fallen wir müde in unsere Betten. .
Rosanna-Schlucht Jetzt sind wir im Herzen der Alpen. Ab heute ist die tägliche Aufgabe eindeutig: morgens gehts bergan, am Nachmittag wieder hinab.
Der Tag beginnt trotzdem mit einem gemütlichen Einrollen Richtung Verwalltal. Der Anstieg durch dieses einsam gelegene, grüne Tal verläuft flach, wird aber immer steiler. Stets entlang der Rosanna, einem schönen Gebirgsfluss. Teilweise verengt sich das Tal zu einer Schlucht. Mit Blick auf den einsam stehenden Gipfel des Pateriol passieren wir die Konstanzer Hütte.
Hinauf auf Schotter. Die letzten Bäume und noch einmal eine Alm. Ein Pfeifen, ein Murmeltier. Wir können es zwischen Steinen entdecken, es scheint sich nicht wirklich an uns zu stören. Umgekehrt gilt das auch. Unser Ziel liegt höher, ein Anstieg noch, auf dem wir 250 Höhenmeter schieben müssen. Dann sehen wir die Neue Heilbronner Hütte. Ein heimeliger Ort, an dem wir gutes Mittagessen bekommen.
Nach einer Pause auf der schön gelegenen Terrasse mit herrlichen Ausblicken fahren wir fast nur noch bergab. Wir lassen uns gehen, rauschen auf einem breiten Schotterweg einfach hinunter. Das haben wir uns verdient. Wir streifen kurz Montafon, verlassen es aber gleich wieder, um zum Zeinisjoch zu gelangen. Ab hier beginnt das Paznauntal. Wir erkennen noch Überreste der Überschwemmungen aus 2005. Welche Kräfte haben wohl hier gewütet?
Wir brausen das Paznauntal weiter hinab, bestaunen den Lawinenschutzwall von Galtür und rollen wenig später in Ischgl ein. Es bleibt genügend Zeit, den Ort zu besichtigen.
Fimbapass – Top of Alpencross in 2008 Am vierten Tag erleben wir das landschaftliche Highlight dieser Alpenüberquerung – den höchsten Punkt dieser Tour. Und aller unserer Touren überhaupt! Wir starten dafür extra eine halbe Stunde früher als sonst.
Der Tag beginnt steil. Auf einer Nebenstrasse, die bald zu einem gut fahrbaren Schotterweg wird, fahren wir hinein ins Fimbatal, vorbei an einer kleinen Kapelle. Es wird einsam um uns herum, die Gipfel kommen näher, keine Bäume mehr. Es ist karg hier oben, einige Pferde suchen sich das spärlich wachsende Grün zusammen. Das Tal wird enger.
Wir überqueren die Landesgrenze. Ab hier sind wir für einen Tag in der Schweiz. Die kleine Grenzhütte ist unbesetzt.
Bald erreichen wir die Heidelberger Hütte – Zeit für ein frühes Mittagessen. Hier wird einer der besten Kaiserschmarren geboten.
Unwiderstehlich, es wartet der Fimbapass auf uns. Nach 40 Minuten Schieben haben wir ihn erklommen. Vorbei an Schneefeldern stehen wir auf dem 2608 Meter über dem Meer. Vor uns öffnet sich eine atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Alpengipfel: Fluchthorn, Piz Buin, Silvrettahorn, Dreiländer Spitze. Wir geniessen das behagliche Gefühl, angekommen zu sein.
Nach dem Pass folgt ein belohnender Genuss. Zwölf Kilometer führen uns wieder bergab. Durch diese unwirtliche Kulisse der Steinriesen. Zuerst schieben wir, bis der Pfad zunehmend fahrbar wird. Ein Mountainbike-Erlebnis pur, hinab, immer weiter hinab.
Wir gelangen an eine kleine Alm, die ersten Hütten, eine Brücke – die Zivilisation hat uns wieder. Kaum erreichen wir die ersten Häuser, biegen wir auch schon wieder ab. Ein Wiesentrail, kurzes Wiesen-Surfen, die Kimme wird wieder weiter. Vor uns öffnet sich ein riesiges Tal, das Engadin. Es ist die Wiege des Inns, in der er seine ersten Kilometer fliesst. Tief unter uns sehen wir ihn als hellblauen Strich, links und rechts weite Ausblicke. Wir bleiben oben, auf der rechten Talflanke und fahren zum hoch gelegenen Sent, das Ziel dieser traumhaften Etappe.
Der Ort selber ist malerisch und pittoresk. Hier ist die Schweiz so, wie wir sie uns wünschen. In Sent wurde daher schon ein Heidifilm gedreht – doch danach steht den meisten jetzt nicht der Sinn. Direkt zum Hotel, das Bike abstellen und den Staub in der Kehle mit einem kühlen Bier herunterspülen. Das haben wir uns erarbeitet. Am Abend geht es mit dem gemütlichen Teil im Restaurant gleich nebenan weiter. Gute Stimmung. Dieser Tag bietet Stoff für Geschichten. Alle sind mit sich, den anderen und der Welt zufrieden.
Das Finale – Die Röhre im Val D’Uina
Der krönende Abschluss. Durch die Schlucht direkt nach Italien. Der Alpenhauptkamm.
Der fünfte Tag beginnt mit einer kurzen Abfahrt runter zum Talgrund. Eine Holzbrücke führt uns über den Inn. Hier beginnt das Val d’Uina. Eine Schotterstrasse macht den Einstieg hinauf. Es wird kühler. Zwei Stunden fahren wir bergan, dann erreichen wir eine Alm, die schon seit mehreren Jahren von Deutschen bewirtschaftet wird. Hier bekommen wir Verpflegung, bevor das eigentlich spektakuläre Highlight beginnt.
Die Röhre wird sichtbar, aus der Entfernung können wir sie erkennen. Dorthin führt uns ein gut zu fahrender Wanderweg. Langsam wird es steiler, wir schieben. Und immer lauter. Links und rechts von uns türmen sich rote Felswände. Kaum zu glauben, dass es hier ein Durchkommen gibt.
Wir befinden uns in der Röhre. Sie ist gut 1000 Meter lang, zumeist zu einer Seite offen, teilweise bildet sie einen Tunnel. Es ist kühl, immerhin befinden wir uns auf 2000 Meter Höhe.
So spektakulär diese Route ist, sie bleibt trotzdem sicher und gewährt uns immer mindestens einen Meter Platz. Der Weg ist in gutem Zustand, teilweise abgesichert.
Wir treffen die ersten italienischen Wanderer. Die Schlucht ist geschafft. Wir besammeln uns am Ende der Röhre und sind überwältigt.
Ab hier haben wir noch einmal eine Stunde Fahrspass vom Feinsten. Ein schöner Wanderpfad führt uns zur Landesgrenze und zum Schlinigpass. Leicht bergab erreichen wir die Sesvennahütte. Italienische Pasta und kühle Getränke sind die Belohnung. Auf der sonnigen Terrasse erzählen wir uns von dem Erlebten. Im Süden erkennen wir den Ortler und, weit unten das Etschtal, das Vinschgau. Unser Ziel.
Es liegt noch einmal eine atemberaubende Abfahrt vor uns – 14 Kilometer fahrbarer Downhill, der uns von unserem Ziel Schluderns trennt.
Angekommen! Runter vom Sattel, das Mountainbike in den Skikeller – dieser Tag muss gefeiert werden. Immerhin haben wir zusammen einen Alpencross geschafft! Dafür belohnt uns hier Weizenbier vom Fass. Und am nächsten Tag ist Erholung auf dem Programm. Die Beine ruhen lassen. Das tut gut.
Der Alpencross Zugspitze - Vinschgau ist eine der abwechslungsreichsten Alpenhauptkammüberquerungen überhaupt. Ein Ereignis, das im Gegensatz zu den klassischen Routen viel Spezielles an Naturschönheiten und Fahrerlebnissen zu bieten hat.
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